Grace Blakeley, Handorakel, Obama, Kirchenbücher, Zero-Covid, Kino und Konsole

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Den modernen Staat gebe es nur noch als Durchlauferhitzer fürs Geld auf dem Weg von den Armen zu den Reichen, schreibt Grace Blakeley. Betriebswirtschaftlich ist das gar nicht kompliziert, man braucht nur große Banken, eine politische Klasse als Gehilfen und viele Bürger die keine Ahnung vom Finanzwesen haben, aber große Kredite abbezahlen. Finanzialisierung galt vor 40 Jahren als die Lösung, heute pendelt man zu lang zur Arbeit, findet keinen Arzt, lebt in zu teurer Wohnung und erstickt am Bildungskredit. In „Stolen“ schreibt Grade Blakeley über die angelsächsische Realität einer Gesellschaft am Ende, die eine neue Geschichte braucht, also auch neue Protagonisten, die sie gestalten. Wir diskutieren den Text und vergleichen ihn mit der deutschen Diskussion. Wie immer ist der Knackpunkt der Ausweg. Es mangelt zumindest nicht an Ideen.

Wolfgang hat sich das frisch übersetzte Handorakel von Baltasar Gracián angeschaut. Es hat Jahrhunderte auf dem Buckel, liest sich aber doch auch wie eine Anleitung zur artgerechten Social-Media-Nutzung. Offenbar wandelt sich immer nur die Technologie, der Rest erscheint uns ganz vertraut, aber so zertlos umso interessanter. Stefan hat begonnen, Barack Obamas stunden, eigentlich tagelange, Biographie anzuhören. Ja, Clubhouse und Podcasts haben das Netz mit Audio überschwemmt. Aber wenn die Geschichte stimmt und der Vorleser passt (Obama liest selbst), kann aus tröger Politik doch ein Spektakel werden. Obama und seinem Verlag ist Außgergewöhnliches gelungen.

Wir schauen zudem in das dämliche Zero-Covid-Pamphlet, informieren uns über den Gehalt aktueller Kirchenbücher, bzw. Bücher, die in christlichen Buchhandlungen heute zu finden sind. Wir reden über die versteckte Macht von Vergleichsportalen im Internet, das Fehlen von Biographien von Xi Jinping und wir klären die Frage, wie man über das Genie spricht, oder besser nicht.

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Literaturliste

  1. Grace Blakeley analysiert in ihrem Buch “Stolen” am Beispiel von Großbritannien den Aufstieg des finanzialisierten Kapitalismus. Erschienen bei Jacobin
  2. Hans Ulrich Gumbrecht hat den berühmten Lebensratgeber “Handorakel und Kunst der Weltklugheit” von Baltasar Gracián neu übersetzt. Auch wenn das Buch aus dem 17. Jahrhundert stammt, lernen wir hier, wie wir uns in den Sozialen Medien verhalten sollten
  3. Wir wissen nichts über Xi Jinping. Wer ihm nah ist, publiziert nichts. Wer publiziert, ist ihm nicht nah. Jeffreiy Wasserstrom hat sich in The Atlantic Gedanken zur Leerstelle gemacht
  4. Gabriele Höfling beschreibt, wie sich das Sortiment in christlichen Buchhandlungen verändert hat. These: Man bastelt sich seine Religion selbst. „Christliche Buchhandlungen: Engel gehen besser als theologische Wälzer“
  5. Barack Obamas Autobiographie „A Promised Land“ gibts in verschiedenen Versionen und Sprachen zu lesen. Es ist aber ganz entscheidend, zum Hörbuch zu greifen das Obama selbst eingelesen hat
  6. Wir sprechen häufig über die Monopolisten auf dem Silicon Valley, doch auch in Deutschland gibt es Unternehmen, die im Netz monopolartige Strukturen aufbauen, zum Beispiel Check24, wie Caspar Tobias Schlenk und Niklas Wirminghaus in ihrem Artikel „Schreck 24“ zeigen – Doch ein wenig Konkurrenz gibt es noch: „‘Vergleich-auch-du.de‘ – mittelfränkische PSD Bank will Check24 angreifen
  7. Zero-Covid.org ist ein merkwürdiges Anliegen. / Linke Kritik an ZeroCovid: “Warum die Forderung nach einem harten Shutdown falsch ist”, erklärt Alex Demirović in “Analyse & Kritik”
  8. Anke Sterneborg hat Dominik Graf interviewt, er erklärt, was im Kino fehlt und warum er kein Netflix abonniert hat / Christopher Hechler analysiert sehr präzise, wie Videospiele sich immer mehr dem Film und seiner Ästhetik andienen, dabei geht nicht nur die Interaktivität verloren: „Medienkonvergenz: Konsole oder Kino?
  9. Stefan Kuzmany ist mit seinem Text zu Merkels Auftritt im Fernsehen Großartiges gelungen. Er hat den Geist des Happenings eingefangen.
  10. Wie wird man eigentlich ein Genie und will man überhaupt eines sein? Damit hat sich der Musikwissenschaftler Craig Wright beschäftigt. „How to be a genius

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